Projekt-Anlass und Ziele


In den letzten Jahren nahmen die Schäden durch Schwarzwild auf landwirtschaftlichen Flächen in Thüringen zu, damit einhergehend steigen in Thüringen die Schwarzwildstrecken stetig an. Die entstehenden Konflikte haben zu umfassenden Diskussionen geführt. Im Ergebnis wurde von den beteiligten Akteuren 2015 ein gemeinsames » Positionspapier « zur Schwarzwildjagd in Thüringen verabschiedet. In diesem Papier werden unter anderem auch wildbiologische Untersuchungen zu dieser Thematik eingefordert.

Ein wichtiger Fakt im Zusammenhang mit den o. g. Problemen ist, dass innerhalb der von landwirtschaftlichen Nutzungen geprägten Landschaft in Mittel- und Nordthüringen größere Waldkomplexe eingebettet sind, die wichtige Habitate für das Schwarzwild bilden. Hier finden die Tiere ganzjährig Nahrung, Deckung und Ruhe. Da die Wälder sich überwiegend aus masttragenden Baumarten (u. a. Buchen und Eichen) zusammensetzen, besitzen diese in Mastjahren zusätzlich eine große Bedeutung als Nahrungsressource, insbesondere in den Wintermonaten.

Ein repräsentatives Beispiel hierfür ist der Hainich, ein überwiegend mit Buchenwäldern bestandener Muschelkalkhöhenzug am westlichen Rand des Thüringer Beckens. Er ist umgeben von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen und somit ein optimaler Lebensraum für das Schwarzwild.

Lage des Nationalparks Hainich inmitten einer agrarisch geprägten Kulturlandschaft ...

Lage des Nationalparks Hainich inmitten einer agrarisch geprägten Kulturlandschaft
© Geobasisdaten Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformationen

Hinzu kommt, dass infolge der Ausweisung des südlichen Teils des Hainich als Nationalpark hier ein spezielles Wildmanagement erfolgt (u. a. eine ca. 1.800 ha große Wildruhezone, in der ganzjährig die Jagd ruht).

Mit dem Projekt "Entwicklung und Raumnutzung eines Schwarzwild-Bestandes in Abhängigkeit der naturräumlichen Gegebenheiten des Buchenwald-Nationalparks Hainich und dessen intensiv landwirtschaftlich genutzten Umfeldes" soll das Wissen über die Anpassung des Schwarzwildes an ein Leben in einem Mosaik von sehr unterschiedlich anthropogen geprägten Lebensräumen mit teilweise hohen Nahrungsressourcen erweitert werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen können durch die unterschiedlichen Akteure konkrete Maßnahmen initiiert und umgesetzt werden, um auftretende Schäden insbesondere an landwirtschaftlichen Nutzflächen zu minimieren oder zu verhindern.

Folgende Fragenkomplexe, die in den einzelnen Teilprojekten konkretisiert werden, sollen im Rahmen des Projektes untersucht werden:
  1. Wie hoch wird der örtliche Schwarzwild-Bestand (Nationalpark) zum Projektstart geschätzt und wie ist dessen Einwicklung über einen Zeitraum von 3 Jahren?

  2. Welche Räume⁄Flächen im Untersuchungsgebiet werden wann und wie (Intensität) durch die Tiere des hier lebenden Schwarzwild-Bestandes genutzt?

  3. Gibt es Zu- und Abwanderungen von einzelnen Tieren oder von Gruppen⁄Rotten? Wenn ja, wann und in welchem Umfang?

  4. Welchen Einfluss haben a) die konkrete Landnutzung (inkl. Bejagung) sowie b) Habitatveränderungen im Untersuchungsgebiet auf die Bestandsentwicklung und die Raumnutzung des hier vorkommenden Schwarzwildbestandes?

  5. Können mithilfe der Ergebnisse bestimmte Szenarien und Handlungsmaßnahmen für eine Reduzierung von Wildschäden abgeleitet werden?

Projektzeitraum


Das Projekt startete am 1. Oktober 2016 und endet am 31.12.2019.

Ausgehend von Erfahrungen aus anderen wildbiologischen Projekten zum Schwarzwild ist eine solche Laufzeit mindestens erforderlich, um belastbare Daten und Informationen zur Schwarzwildpopulation im Gebiet bereitzustellen.

Symbolbild für "nach oben"


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